Best Of: Die geschmacklosesten Erika Steinbach Zitate

Freunde des Fremdschämens, hier kommt ihr voll auf eure Kosten. Erika Steinbach, CDU-Bundestagsabgeordnete und ironischerweise Sprecherin für Menschenrechte ihrer Bundestagsfraktion, hat vor wenigen Tagen bekannt gegeben, bei der nächsten Bundestagswahl nicht mehr anzutreten. Ein würdiger Moment, um auf einige berühmt-berüchtigte Statements der 72-jährigen zurück zu blicken.

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Erika Steinbach verstrickt sich bei homo-politischen Fragen gerne mal in Widersprüche. Bild: Jung & Naiv

Erika Steinbach liebt Twitter, weshalb das Soziale Netzwerk des Öfteren in diesem Beitrag auftauchen wird. Prinzipiell ist es ja zu befürworten, wenn sich Bundestagsabgeordnete älteren Semesters mit neuen Medien auseinandersetzen und so für einen direkten Dialog zugänglich sind. Allerdings nutzt Frau Steinbach das Medium allzu oft, um ihr verklärtes, reaktionäres Weltbild mit der Internetgemeinde zu teilen – und vergreift sich dabei regelmäßig im Ton.

#1 Erika und die Homo-Ampeln

Dieser Tweet war eine Reaktion auf die Forderung der Kölner SPD zur Installation einiger weniger Ampeln mit gleichgeschlechtlichen Ampelmännchen nach Wiener Vorbild. Erika Steinbach kokettiert also mit Diskriminierung. Das wäre vielleicht sogar ein bisschen lustig, wenn sie nicht eine der lautesten Stimmen für die Ungleichbehandlung zwischen homo- und heterosexuellen Paaren wäre. Die Forderung der SPD hat nämlich das genaue Gegenteil zum Ziel: den heteronormativen Blick der Gesellschaft bewusst stören und dadurch für Akzeptanz werben. Für die Unionspolitikerin kein Grund, daraus nicht einen guten, alten Geschlechterwitz zu basteln. Man beachte auch den gekonnten Einsatz des ironischen Zwinker-Smileys. Der wird uns an späterer Stelle übrigens noch einmal begegnen.

#2 Erika und das Ehegattensplitting

… oder „Von Bauern und Rüben“. Bevor das Bundesverfassungsgericht die Diskriminierung eingetragener Lebenspartner beim Ehegattensplitting für grundgesetzwidrig erklärt hatte, wehrte sich die Union konsequent gegen jegliche Fortschritte bei diesem Thema. Allen voran Erika Steinbach. Ihre Meinung, warum homosexuelle Paare in Lebenspartnerschaften kein Splitting verdienten, verpackte sie in einer besonders kreativen Allegorie:

„Wenn jemand Rüben im Garten hat, kann er auch nicht die Landwirtschaftsförderung eines Bauern beantragen.“

Dieses kleine Gleichnis kann kaum darüber hinweg täuschen, was sie damit eigentlich meint: Homosexuelle Partnerschaften sind Partnerschaften zweiter Klasse. Ehepaare sind tüchtige Großbauern und Verpartnerte sind Hobbygärtner. Chapeau, Frau Steinbach. Selten wurde Homophobie so hübsch verpackt. Kleiner Nachschlag gefällig? Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes trat die Abgeordnete auf Twitter noch einmal nach: „Wer schützt eigentlich unsere Verfassung vor den Verfassungsrichtern?“ Sind Sie wirklich eine so schlechte Verliererin, Frau Steinbach?

#3 Erika und die Migranten

Negative Einzelfälle hervorheben, um Stimmung gegen Migranten zu machen? Selbst dafür ist sich Erika Steinbach nicht zu schade. Dass sie den Tweet absetzte, als Pegida gerade im Aufwind war, hinterlässt einen noch übleren Nachgeschmack. Die Unionspolitikerin schürt lieber Ressentiments anstatt sich mit Fakten auseinanderzusetzen. So bleiben ihre „Argumente“ leider nur auf Stammtischniveau.

#4 Erika und Charlie Hebdo

Nach dem Attentat auf das französische Satiremagazin setzte sich Frau Steinbach mit Anlauf in die Nesseln und bewies so viel Feingefühl wie eine Panzergranate. Der Anlauf reichte sogar, um noch weitere Wellen zu schlagen. „Die Partei“-Funktionär Jens Bolm stellte Strafanzeige wegen Verunglimpfung Verstorbener. Aber alles halb so wild, schließlich bewies Erika ihre Internet-Skills einmal mehr mit dem souveränen Einsatz des ironischen Zwinker-Smileys. Ein einzelner Shitstorm war ihr aber scheinbar nicht genug, also versuchte sie sich wenig später mit folgendem Tweet an einem zweiten.

Die katholische Kirche klagt brav, der Islam hingegen schickt das Killerkommando. Willkommen zurück am Stammtisch. Ob sie sich bewusst war, dass sie damit implizit eine ganze Weltreligion mit fundamentalistischen Fanatikern gleichstellte?

#5 Erika und die Ehe für Alle

Im Interview mit Tilo Jung (ab 10:30 min) wiederholte die Politikerin gebetsmühlenartig die Phrase „Der Staat muss das fördern, was ihm nützt.“ Sie meint damit die Möglichkeit der Reproduktion bei heterosexuellen Paaren. Und, wie sie feststellt, „zwei Männer können nunmal kein Kind zeugen.“ Schwuler oder lesbischer Sex sei „deren Privatvergnügen“, das sie den Homosexuellen aber „herzlich gönnt.“ Danke für so viel Großmut. Ein kleines Problem gibt es aber dabei. All diese Sätze stammen von der verheirateten, aber kinderlosen Erika Steinbach. Wie genau nützt ihre Ehe denn dem Staat? Ist Erika Steinbachs Sex (entschuldigt das Kopfkino) mehr als Privatvergnügen? Weil dabei in jüngeren Jahren theoretisch, vielleicht, eventuell ein Kind hätte entstehen könnte?

#6 Erika und die NS-Geschichte

Fast schon legendär und nur etwas für Fremdscham-Hartgesottene: Steinbachs Geschichtsstunde zur NSDAP. In Steinbachs Welt war die nämlich ganz klar eine linke Partei. Solche Kleinigkeiten wie deren Nationalismus kann man schon mal übersehen. Sicherlich sind Bezeichnungen wie „links“ oder „rechts“ bei politischen Ausrichtungen immer etwas schwammig, aber der Tweet ist mehr als plump und will – wie sie selbst zugab – nur provozieren. Frau Steinbach, die NPD bezeichnet sich selbst als „soziale Heimatpartei“. Dann ist sie also auch links?

Auf Wiedersehen (?)

Frau Steinbach hängt ihre Abgeordnetenkarriere 2017 also an den Nagel und kann dann auf 27 Jahre im Bundestag zurück blicken. Man kann nur hoffen, dass sie damit Platz schafft für ein weniger reaktionäres CDU-Mitglied. Zumindest kommentierte sie die Ankündigung auf Twitter mit einem Funken Selbstironie.

Gleichzeitig stellte sie aber auch fest, dann noch mehr Zeit für ihre Twitteraktivitäten zu haben. Klingt wie eine Drohung. Wir haben also mit Sicherheit nicht den letzten Ausrutscher von Erika Steinbach gesehen.

Homo[phobie]² gibt’s übrigens auch auf Facebook.

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4 Gedanken zu “Best Of: Die geschmacklosesten Erika Steinbach Zitate

  1. „Steinbachs Geschichtsstunde zur NSDAP. In Steinbachs Welt war die nämlich ganz klar eine linke Partei. Solche Kleinigkeiten wie deren Nationalismus kann man schon mal übersehen.“

    Ich muss zugeben, ich habe mich hier auch schon oft gewundert – „nationale“ Parteien gelten als Rechts. „Sozialistische“ Parteien gelten als Links.

    Und wo verortet man im politischen Spektrum dann eine Nationalsozialistische Partei? Diese besetzt zumindest im Prinzip linke und rechte Themen.

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    1. Eine eindeutige Klassifizierung finde ich tatsächlich auch nicht ganz einfach, wahrscheinlich ist das simple links-rechts-Modell schlicht unzureichend in diesem Fall. Linke Parteien berufen sich aber in der Regel auf ein egalitäres Menschenbild, was auf die NSDAP so gar nicht zutrifft. Dann so plump zu argumentieren wie Steinbach es getan hat, ist schon sehr befremdlich. Sie war wohl nur darauf aus ihre politischen Gegner zu diskreditieren, indem sie sie auf eine Stufe mit den Nazis stellt.

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      1. Prinzipiell finde ich die Einordnung links-rechts unzureichend, die Parteienlandschaft differenziert sich in mehreren Dimensionen, nicht nur einer, aber das ist ein anderes Problem.

        Die Erklärung mit dem fehlenden „egalitären Menschenbild“ ist gut. Sie erklärt auch warum die NSDAP i.a. nicht als linke Partei gesehen wird, weil dieses Merkmal fehlt. Danke, das bringt mich schon mal ein Stück weiter 🙂

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  2. 1.- „Hier dürfen Männer nicht mehr über die Straße gehen;-) „- denke, das ist eher satirisch gemeint, was nicht jedermanns Sache ist, aber gut…

    2.-Dann ist es, also, rassistisch wenn man von Fremden Leuten, die schon Jahre lang in Deutschland leben, verlangt Deutsch zu reden? Es ist doch selbstverständlich, dass wenn man in ein anderes Land einwandert, dessen Sprache zumindest ansatzweise versteht und sprechen kann. So zeigt man an erster Stelle Respekt gegenüber dem Land, welches man als Zufluchtsort oder NEUE HEIMAT wählt.

    3.- „“Wenn jemand Rüben im Garten hat, kann er auch nicht die Landwirtschaftsförderung eines Bauern beantragen.”- verstehe den Zusammenhang mit der Homosexualität nicht, dazu ist für mich dieser Beitrag zu sehr aus einem Kontext gerissen.

    4.-„Die katholische Kirche hat 14 Prozesse gegen #CharlieHebdo geführt.” Und, auch Terrorkommandos geschickt? Glaub ich nicht!“- das stimmt, allerdings… auch wenn mit bitterem Beigeschmack…..

    5.-“ Irrtum. Die NAZIS waren eine linke Partei. Vergessen? NationalSOZIALISTISCHE deutsche ARBEITERPARTEI…..“ darüber lässt sich auch streiten. Wenn man die linksextreme Flanke in Deutschland sieht und auf die gleiche Ebene mit den Rechtsextremen, da kann ich nur sagen: „Pest gegen Cholera“.

    Ps.: ist meine Meinung dazu. Muss man nicht vertreten…

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